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Mainproject unterstützt die KMU´s am bayerischen Untermain bei nachhaltigen Geschäftspraktiken

Ein Blogbeitrag von Lucia Wenderoth

 

Neben New Work, Digitalisierung und Agilität ist Nachhaltigkeit eines der Themenschwerpunkte von mainproject. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Community für nachhaltige Geschäftspraktiken ins Leben gerufen wird. Am 09.11.2021 fand in einer kleinen Runde aus Vertretern der hiesigen KMUs und dem mainproject-Team die Kick-Off-Veranstaltung statt. Der Fokus der ersten Veranstaltung lag auf dem Kennenlernen, ersten Austausch, Erwartungsklärung, sowie Vereinbarung von weiterem Vorgehen.

 

Nach der Vorstellungsrunde war eines klar - trotz der unterschiedlichen Beweggründe für die Teilnahme an der Veranstaltung, sind sich alle einig: Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der nie aufhört. Umso wichtiger, am Ball zu bleiben – doch wie geht ein KMU am Bayerischen Untermain dieses Thema am sinnvollsten an? Welche neuen Themen darf man als hiesiges Unternehmen nicht verpassen und wie kann es diese direkt und effektiv umsetzten? Außerdem: Wie sind die Voraussetzungen für die Umsetzung nachhaltiger Geschäftspraktiken in KMU?

 

Die neu gegründete Community für nachhaltige Geschäftspraktiken unter Leitung von Prof. Dr. Carsten Reuter, hat es sich zur Aufgabe gemacht, in den kommenden Wochen und Monaten genau diesen Fragen nachzugehen: „Die Wissenschaftler unserer Hochschule möchten nicht von ihrem weißen Elfenbeinturm herunterschauen und alles erklären, sondern auch praktisch tätig werden, um verstehen zu können: Woran hakt das denn? Deshalb ist diese Community ist ein wichtiges Format, um von den KMUs zu lernen, wie wir unseren Wissenstransfer zielgerichtet gestalten können, damit sie mit unserer Unterstützung konkrete und praktische Lösungsansätze in Ihr Unternehmen mitnehmen können.“

 

Der einführende Vortrag von Prof. Reuter, sollte den beteiligten Unternehmensvertretern zunächst einen groben Überblick über die aktuelle Situation in puncto Nachhaltigkeit verschaffen. Dabei stellte Prof. Dr. Reuter fest: „Früher musste ich in der Vorlesung erklären, warum Nachhaltigkeit wichtig ist. Heute wollen die Studierenden konkret von mir wissen, was sie tun können.“  Eine positive Entwicklung, wenn man bedenkt, wie wenig Resonanz dieses Thema noch vor rund zehn Jahren erzeugte.

 

Können wir in Deutschland überhaupt etwas gegen die Erderwärmung tun?

Im globalen Vergleich schneidet die CO2-Emission von Europa mit gerade mal 8 % (davon 2 % Deutschland) auf den ersten Blick vergleichsweise gut ab. Deshalb stellt sich vielleicht die Frage, wieso uns hier das Nachhaltigkeitsthema genauso beschäftigen sollte, wie woanders auf der Welt. Prof. Dr. Reuter erklärt: „Diese 8 % CO2-Emission in Europa bezieht sich nur auf den innerhalb von unserem Kontinent produzierten CO2-Ausstoß. Schließt man jedoch die Emissionen mit ein, welche im Rahmen der für die EU im Ausland produzierten Ware entstehen und hält sich zugleich vor Augen, dass Deutschland eklatant von Import und Export profitiert, wird klar, dass die 2 % CO2-Emissionen bei uns im Land überschritten werden (um ca. weitere 2 %). An dieser Stelle stellt sich auch immer wieder die Frage, was den Verzicht von Konsumgütern betrifft. Obwohl sich dies nicht bestreiten lässt, geht es nicht nur darum zu verzichten, sondern vielmehr darum, immer wieder aufs Neue zu schauen, wie man nachhaltiger seinen Konsum, seine Wertschöpfung und seine Geschäftspraktiken gestalten kann.“

 

Unternehmens- und Beschäftigungsstruktur in Deutschland

Wenn wir uns die Unternehmensstruktur in Deutschland anschauen, stellen wir fest, dass 80 % der Unternehmen Kleinstunternehmen, 16 % Kleinunternehmen und 3 % mittlere Unternehmen sind. Weniger als ein Prozent machen die ganz großen Unternehmen aus. Deshalb ist es von enormer Bedeutung, dass gerade die Kleinst- und Kleinunternehmen nachhaltig agieren. Die Voraussetzungen für die Umsetzung nachhaltiger Geschäftspraktiken in KMU sind gut: Die kleinen und mittleren Unternehmen sind meist in ihrer jeweiligen Region verwurzelt, überschaubar, innovativ und flexibel. Die besten Voraussetzungen um Maßnahmen zur ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit einfach und kosteneffizient zu ergreifen.

 

Wer bestimmt überhaupt, was nachhaltig ist?

Es gibt verschiedene, regulierende Instanzen, die spezifische, auf ihrem Themenschwerpunkte basierende Kriterien festlegen. An dieser Stelle sind vor allem die regulativen Kriterien (EU-Öko-Verordnung, Lieferkettengesetz), normativen Kriterien (Dach- & Fachverbände, We Care Siegel) sowie die kulturell-kognitiven Kriterien (Unternehmensspezifische und mitarbeiterspezifische Werte) maßgeblich. Neben diesen Kriterien gibt es zahlreiche Leitlinien und Standards zum Nachhaltigkeitsmanagement und so stellt sich dem einen oder anderen Unternehmer die Frage: Welchen Standard soll ich denn wählen? Den richtigen Weg für sein Unternehmen zu wählen gleicht einer ernstzunehmenden Herausforderung – auch wenn vielleicht nicht der dringendsten.

 

Der Gründer des Unternehmens „Patagonia“, Yvon Chouinard, findet in dieser Runde mehr als einen Anhänger. Zurecht: Chouinard setzt sich auf mehrere Ebenen für mehr Nachhaltigkeit ein und hat damit schon zu Zeiten begonnen, als die wenigsten global agierenden Unternehmen an derartiges dachten. Von ihm stammt auch das bekannte Spendenkonzept „1 % for the Planet“ (genau 1 % des jährlichen Umsatzes geht an Organisationen, die sich für Umweltschutz einsetzen), zudem versucht er mit einem 4-Punkte-Programm (Reduce, Repair, Reuse und Recycle) die Umwelt-Nachhaltigkeit zu verbessern.

 

Umso authentischer kommt das Zitat von Chouinard zum Abschluss der Veranstaltung rüber:

Patagonia will never be completely socially responsible. It will never make a totally sustainable non-damaging product. But it is committed to trying.” („Patagonia wird niemals vollständig sozial verantwortlich handeln und sie wird auch nie ein völlig nachhaltiges, nicht die Umwelt schädigendes Produkt herstellen. Aber sie verpflichtet sich, dies zu versuchen.")