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Raus aus der Käfighaltung

Nach mehr als zwei Monaten Homeoffice, verschiedensten Webinaren und täglichen Videomeetings  gerahmt mit social Distancing im privaten, wie im öffentlichen Raum ist es jetzt mal gut. Ich will hier raus! Ich will wieder mit unterschiedlichsten Menschen im Austausch sein. Selbst die Nervensägen dieser Welt ziehen mich an. Hauptsache ich bin in einem echten und unmittelbaren Kontakt.

 

 

Das lange Pfingstwochenende habe ich genutzt und habe mir diesen Wunsch erfüllt. Auf dem Fahrrad habe ich den Spessart durchpflügt. Ich war nicht alleine. Viele Menschen waren unterwegs. Die Hotels und Pensionen waren zum Teil ausgebucht. Die Wirtschaften und Biergärten gut gefüllt. Meschen in einem öffentlichen Raum - ein Genuss! Ich hatte riesen Spaß, meinen Käfig zu verlassen und den Wind um die Nase zu spüren. Überall wo ich Rast machte, kam man auch über 1,5 Meter Abstand schnell ins Gespräch. Alle waren gelöst und irgendwie freudig erregt. Sommer, Sonne, Freiheit – endlich.

 

 

Freilich blieb die neue Normalität mit im Gepäck. Der Mundschutz war ein täglicher Begleiter. Wenn man nach einem Aufstieg richtig Durst hat, kann es dann schon mal passieren, dass man das Radler mit Mundbedeckung ansetzt – zu spät. Ab dann inhallierte ich auch zum Frühstück diese feine Note von Hopfen und Zitrone. Auch das mit der Distanz ist so eine Sache. Bei der Ersten Hilfe mit Reifenpanne vergisst man schon mal, dass man nicht zusammen im Haushalt wohnt. Zudem haben wir ausgerechnet hier, keine Adressdokumentation gemacht. Wir hatten einfach das Formblatt nicht dabei. Dennoch ist meine Tour jetzt ziemlich gut zurück zu verfolgen. Überall musste ich meine Daten handschriftlich hinterlassen. So transparent war ich noch nie! Ich stelle hiermit den Antrag, wer die Tracing-App benutzt, muss dieser Dokumentationspflicht nicht mehr nachkommen.

 

 

Insgesamt aber klappt das Leben da draußen doch schon wieder ganz gut. Ich denke auch, dass es Zeit ist, mal wieder im Office einen Kaffee mit den Kolleginnen und Kollegen zu trinken. Wenn ich es genau betrachte, kann ich zuhause tatsächlich genau so gut oder vielleicht auch konzentrierter arbeiten. Der Austausch, die Kreativität und Dynamik aber, ergibt sich eher aus dem Miteinander. Zudem lebe ich als Mensch nicht nur aus mir heraus, sondern brauche für mein Wohlbefinden (und meine Entwicklung) den realen Kontakt mit realen Menschen. In diesem Sinne könnte eine Mischung vielleicht die beste der möglichen Welten sein: Homeoffice für konzentriertes Konzeptionieren und Ausarbeiten. Centraloffice für Absprachen und dynamische Entwicklungsarbeit.

 

 

Ganz nebenbei würde ich dann auch jede Woche wieder auf meine Radkilometer kommen und müsste mich dafür nicht über den Spessart quälen – wobei: Schön wars!

 

Ein Beitrag von Joachim Schmitt

 

 

 

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