Öffentliche Ringvorlesung: Krisen und Auswege

vom 17.10.2022 bis 09.01.2023 - immer montags von 16:00 - 17:30 h

Hybride Veranstaltung: Teilnahme in der Aula der TH Aschaffenburg und als Videokonferenz möglich


Man hat den Eindruck, dass es zwar schon immer Krisen gab, dass wir es aber aktuell mit besonderen Herausforderungen zu tun zu haben. Auf die Ölkrise Anfang der 1970-er Jahre folgten wenige Jahre später die Umweltkrise und das Artensterben. Etwa Mitte der 1990-er stellten das aufkommende Internet und das WWW das „normale Geschäft“ und unsere ganze Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Einige Krisen münden in individuelle Katastrophen, andersherum lösen lokale Katastrophen globale Krisen aus.

 

Mittlerweile hat sich ein ganzes Spektrum an Krisen entfaltet – es gibt politische und militärische Krisen, es brechen Energiemärke und Lieferketten weg, wir sehen ganze Branchen gefährdet, auch die Gesundheit macht uns Sorgen, vom Klimawandel ganz zu schweigen. Es gilt zu erörtern, wie unser Wohlstand und unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten werden können. Einerseits zeigen einige Krisen eine gewisse Hartnäckigkeit und erscheinen ohne Ausweg. Andererseits ist die Lage nicht immer hoffnungslos. Für viele Krisen können wir bereits Lösungen und Methoden zur Überwindung aufzeigen. Von Beidem soll in der Ringvorlesung die Rede sein.

 


Die Anmeldung erfolgt über unsere Lernplattform (moodle). 

Möchten Sie an den Präsenzterminen teilnehmen, melden Sie sich bitte für jeden Termin einzeln an. Möchten Sie online teilnehmen, steht eine Sammelanmeldung zur Verfügung. 

Auf den Lernplattformen finden Sie im Nachgang  die Präsentationen der Referent/innen und ggf. weiterführende Informationen. 

Link für bereits Registrierte zum Kurs:  https://mainproject.elearning-home.de/course/view.php?id=62



Die einzelnen Themen und Termine der Ringvorlesung:

17. Oktober 2022

Einführung – Krisen des Alltags, Alltag der Krisen
Prof. Dr. Georg Rainer Hofmann, TH Aschaffenburg

 

Zu Definition und Identifikation von Krisen – Abgrenzungen von Zwischenfall und Unfall sowie von der Katastrophe – Vielfalt und Phänomenologie von Krisen – Auswirkungen auf Einzelpersonen, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik – Polykrisen – Krisenbewältigung – Beispiele für erfolgreiche Krisenbewältigung 



24. Oktober 2022

Die Krise des deutschen Gesundheitssystems

Prof. Dr. Thomas Wolf, Berlin

 

Das deutsche Gesundheitssystem soll einerseits vielen Bürgern ein langes und gesundes Leben ermöglichen.  Andererseits prosperiert das Gesundheitssystem, wenn möglichst viele Menschen lange krank sind.  Man erhofft sich einen Fortschritt durch mehr Digitalisierung.  Der Beitrag zeigt auf, wie unrealistisch diese Hoffnung unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist und wie die Rahmenbedingungen geändert werden müssten, um eine Reform im Gesundheitssystem zum Erfolg werden zu lassen.



7. November 2022

Verursacht das Anleihekaufprogramm der EZB eine Krise der obersten Rechtsprechung? 

Prof. Dr. jur. Ralph Hirdina, TH Aschaffenburg

 

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat das Anleihekaufprogramm und die Offenmarktgeschäfte der Europäischen Zentralbank (EZB) als mandats- und europarechtskonform eingestuft.  Das deutsche Bundesverfassungsgericht (BVG) sieht in dem Urteil des EuGH hingegen eine rechtswidrige Ausdehnung der dem Europäischen Gerichtshof von den Mitgliedstaaten der EU übertragenen Kompetenzen. Die Machtbalance zwischen EuGH und BVG scheint in der Krise zu sein, mit noch ungewissem Ausgang.



14. November 2022

Die Klimakrise

Prof. Dr. Sabrina Weithmann, TH Aschaffenburg

 

Die Verschärfung der Klimakrise trifft die Menschen in aller Welt spürbar.  Konkrete Veränderungen und Auswirkungen auf das tägliche Leben lassen sich zunehmend im Rahmen der Attributionsforschung berechnen.  Damit können die Folgen unseres eigenen (Nicht-) Handelns auch immer besser in Form von Simulationen und auch am Beispiel konkreter Wetterereignisse dargestellt werden.  Dies bietet einerseits Möglichkeiten sich der Klimakrise anzupassen und entsprechende Investitionen zu kalkulieren, zeigt aber auch, dass wir unaufhaltsam auf den Kipppunkt zugehen, der als Bedrohung für menschliches Leben gilt und auch das Artensterben beschleunigt.  Warum die Annäherung an den Kipppunkt jedoch auch eine letzte Chance bieten könnte, um die schlimmsten Folgen abzumildern und welchen Beitrag Unternehmen dafür liefern müssten, wird im Vortrag dargestellt.



21. November 2022

Krise der Kirche – Krise des Glaubens? 

Propst Stephan Arras, Evangelische Kirche von Hessen und Nassau, Darmstadt

 

Stephan Arras ist Pfarrer und Propst, was einem Regionalbischof entspricht.  Bis vor kurzem war er Auslandspfarrer in Irland.  Seit Jahren kommen die großen Kirchen in Deutschland aus den Negativschlagzeilen nicht heraus.  Rückläufige Mitgliederzahlen, Missbrauchsskandale, allgemeiner Bedeutungsverlust, ungeliebte Kirchensteuer.  Was heißt das für die Zukunft?  Was hat das mit Glauben zu tun?  Neben einer kritischen Darstellung sollen Wege aufgezeigt werden, wie mit der Krise der Kirchen umgegangen wird und umgegangen werden könnte.  



28. November 2022

Krise der Lieferketten – auf der Suche nach dem schwächsten Glied

Prof. Dr. Carsten Reuter, TH Aschaffenburg

 

Diese Einschätzung „irgendwie läuft es nicht ganz rund“ – zum Status der Lieferketten ist zum einen eine starke Untertreibung, andererseits ist diese unspezifische Darstellung äußerst konsensfähig.  Sind es blockierte Verkehrswege (z. B. Suezkanal), zu geringe Produktionskapazitäten (z. B. Halbleiterkrise), unterbrochene Finanzflüsse (z. B. Sanktionen) oder Verzögerungen bei der Abfertigung in Güterhäfen (z. B. Yantian), die für die Störungen verantwortlich sind? Tatsächlich gibt es nicht den(!) einen Auslöser der Krise. Die jüngsten unerwarteten Ereignisse treffen die Lieferketten – bei denen es sich eher um Liefernetzwerke immer höherer Komplexität handelt – an unterschiedlichen Stellen mit unterschiedlicher Intensität. Ist die Regionalisierung der Wertschöpfung die Lösung aller Probleme? Ist das eine realistische Folge und tatsächlich die beste Lösung?  



05. Dezember 2022

Krise und Wandel der regionalen Banken

Ralf Magerkurth, Sprecher des Vorstands, Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank eG, Odenwald und Miltenberg

 

Seit etwa zwei Jahrzehnten stehen die regionalen Genossenschaftsbanken vor großen Herausforderungen.  Zu nennen ist die notwendige Neugestaltung der Filialen vor Ort, deren Bedeutung durch das Internet relativiert wurde.  Das Zinsdifferenzgeschäft gestaltete sich in den letzten Jahren durch die Kapitalmarktsituation sehr schwierig, hinzu kommt die Belastung der Spareinlagen durch die aktuelle Inflation.  Die Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank eG verfolgt als Ausweg eine konsequent innovative Unternehmenspolitik.  Durch eine Fusion ist sie über Bundeslandgrenzen hinweg präsent.  Mit neuen Kredit- und Anlageprodukten werden neue Kundenkreise angesprochen. 



12. Dezember  2022

Die Krise der Energiemärkte

Prof. Dr. Erich Ruppert, TH Aschaffenburg

 

Die Struktur der Energiemärkte wird derzeit nicht nur in das Fachwelt diskutiert – sondern ist „in aller Munde“.  Die Märkte stehen seit jeher im Spanungsfeld von drei Zielsetzungen: Günstige Preise, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit.  Es ist eine Krise, wenn die notwendigen Importe von Primärenergieträgern nicht mehr sichergestellt werden können, oder wenn diese Importe politisch nicht mehr opportun sind.  Parallel dazu steigen die Preise auf den globalen Energiemärkten stark an.  All das geschieht zu einer Zeit, in der die Umweltverträglichkeit der Energieversorgung eine sehr hohe Priorität hat, beziehungsweise haben sollte.  Können die Energiemärkte durch Preisimpulse auch Substitutionsprozesse zwischen Lieferländern und Energieträgern anstoßen und so beschleunigen, so dass die drei Zielsetzungen in absehbarer Zeit etwas besser in Übereinstimmung gebracht werden können?



19. Dezember 2022

E-Mobilität als ein Ausweg aus der Krise

Alexander Junge, Vorstand Aral AG, Hamburg

 

Alexander Junge verantwortet im Vorstand der Aral AG das Ressort Elektromobilität.  Die Firma ist dabei, sich neu zu erfinden, wie auch der Mutterkonzern bp plc.  Der Konzern will 2030 schon 30-40% weniger Öl und Gas fördern als 2019 und will spätestens 2050 CO2-neutral sein.  Damit will er seinen Beitrag zu einer „net zero“ Welt und zur Lösung der Klimakrise leisten.  Auch könnte die Klimakrise zur Krise des Unternehmens werden, wenn es nicht neue, CO2-neutrale Geschäftsfelder aufbauen würde.  Die Aral AG errichtet ultraschnelle Ladesäulen an ihren Tankstellen, aber nicht nur dort. Dabei gilt es, eine "Henne oder Ei" Problematik zu lösen:  Muss zuerst die Ladesäule da sein, damit das Elektroauto seinen Durchbruch erfährt, oder erst das Elektroauto, damit sich die Investitionen in Ladesäulen lohnen?  Die Aral AG investiert zur Lösung dieser Thematik bewusst vor dem Markthochlauf.  Am Beispiel des Neuaufbaus des Elektroautoladegeschäfts als einer von mehreren Säulen der neuen Konzernstrategie werden Wege aus der Klimakrise aufgezeigt.



09. Januar 2023

Die Krise des Ehrenamts - Auswege und Chancen

Bürgermeister Eric Leiderer,  Stadt Aschaffenburg

 

Viele Menschen wollen sich über Beruf und Familie hinaus aktiv in die Gesellschaft einbringen.  Dennoch übernehmen wenige, persönlich und auf Dauer Verantwortung an vorderster Front in Form eines Vorstandes oder den Vorsitz.  Überrascht das?  Schließlich liegen im Ehrenamt große Chancen für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung, Karriere und nicht zuletzt die Stärkung der demokratischen Gesellschaft.  Anhand von Beispielen aus seinem beruflichen Werdegang als Gewerkschafter, Politiker, Vereinsvorstand und Bürgermeister der Stadt Aschaffenburg beschreibt Eric Leiderer in seinem Vortrag praktische Auswege aus der Krise.