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unternehmensWert:Mensch plus

Für unseren Blogbeitrag haben wir uns mit Silke Wohlfahrt, zertifizierter Coach beim ESF-Programm unternehmensWert:Mensch plus unterhalten. Das Programm soll speziell die Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland vorantreiben, wobei KMU hier im Sinne der Europäischen Union definiert ist. Nachzulesen auf wikipedia.  

 


 

Frau Wohlfahrt, unternehmensWert: Mensch plus soll Unternehmen auf ihrem Weg zur Digitalisierung helfen. Was ist darunter zu verstehen? 

Bildrechte: Silke Wohlfahrt, Wohlfahrt Coaching Beratung Training
Bildrechte: Silke Wohlfahrt, Wohlfahrt Coaching Beratung Training

 

Oft ist es so, dass KMU den Blick von außen schätzen. Alle – vor allem die Geschäftsführung aber auch die Mitarbeiter – sind so in ihr Tagesgeschäft eingebunden, dass sie kaum Zeit finden, wichtige Prozesse im Unternehmen zu digitalisieren. Da kann ein zertifizierter Coach wichtige Hilfestellung leisten, die Themen anzugehen.

 

 

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

 

Für jeden gut nachvollziehbar ist das Projekt einer größeren Gärtnerei, die auch die Gräberverwaltung übernimmt. Es bestehen eine Reihe von Daueraufträgen zur Gräberpflege. Bislang haben die Mitarbeiter umständlich und von Hand dokumentiert, was sie an den Gräbern verändert haben (neue Bepflanzung, jäten, Baumschnitt etc.). Für die Gärtner eine lästige Arbeit. Die Papiere gingen dann in die Verwaltung, wo die Rechnungsposten abgeschrieben wurden. Mit dem Coach wurden dann Ideen entwickelt, wie sich der Prozess vereinfachen und digitalisieren ließe. Das Projektteam schlug vor, mithilfe von Vorher-/Nachher-Fotos die veränderten Zustände der Gräber zu dokumentieren. Der Coach unterstützte das Projektteam bei der Suche nach der passenden Hardware, Software und die Schnittstellen zur Buchhaltung, damit die Bilder direkt von den Endgeräten auf der Software der Verwaltung landeten. Die Schreiberei für die Gärtner fiel weg. Nachdem das System implementiert war, wurden weitere Geschäftsfelder integriert, so zum Beispiel Blumenarrangements und Deko für Hochzeiten etc.

 

 

Wer steckt hinter unternehmensWert: Mensch plus und wie sind die Förderquoten?

 

Das Programm ist beim Europäischen Sozialfonds (ESF) angesiedelt. Die Förderquote beträgt 80 %. Abgewickelt werden die Anträge über die sogenannten Erstberatungsstellen. Das sind – je nach Region – unterschiedliche Einrichtungen, etwa eine IHK, HWK oder auch eine Hochschule. Für unsere Region, der Bayerische Untermain, ist die IHK Schweinfurt zuständig. Beim Erstberatungsgespräch gehen Antragsteller, Coach und Erstberater einen Fragebogen durch. So schildert der Antragssteller seine Ausgangsposition und an welcher Stelle er sich digital aufstellen will. Je nach Umfang der Herausforderung legt der Erstberater dann die Zahl der Beratertage (maximal 12) fest, die innerhalb weniger Monate vom Coach dann zu leisten sind. Dafür erhält der Coach ein festgelegtes Honorar (fester Tagessatz). Über 80 % dieser Kosten kann am Ende des Gesprächs – soweit die Idee und das Unternehmen als förderfähig eingestuft werden – sofort ein Beratungsscheck mitgenommen werden.

 

 

Sie sagen, das Projekt läuft unter starker Beteiligung der Mitarbeiter. Was kann man sich darunter vorstellen?

 

Im Idealfall läuft es so, dass die Geschäftsführung nur das Ziel vorgibt und die Mitarbeiter/innen in gecoachten Einheiten die Ergebnisse erarbeiten. Das hat den Vorteil, dass diese sich somit gleich mit dem Prozess identifizieren und Ängste vor der Digitalisierung „als Jobkiller“ abgebaut werden.

 

 

Wie aufwändig ist der Verwendungsnachweis am Ende des Projekts?

 

Dies gestaltet sich relativ einfach. Zur Einlösung des Beratungsschecks werden die Protokolle, die der Coach anfertigt, eingereicht sowie ein Zahlungsnachweis, dass die Rechnung des Coachs beglichen wurde. Zwischen Erstberater, Coach und Auftragsgeber findet dann noch ein Abschlussgespräch statt.

 

 

Ein kleines Fazit, Frau Wohlfahrt?

 

Das Programm eignet sich insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die bereit sind, eine überschaubare Gruppe an Mitarbeiter/innen aller Unternehmensbereiche für die Erarbeitung einer Lösung freizustellen, denn für gute Ergebnisse braucht es ein interdisziplinäres Team mit einer Gruppendynamik, die bei etwa 7-10 engagierten Personen voll zum Tragen kommt.

 

 

Vielen Dank, Frau Wohlfahrt, für die wertvollen Informationen.

 

 

 

Das Gespräch führte Katja Leimeister