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Geschichten aus dem Homeoffice: Katja Leimeister

 

Mobiles Arbeiten – nichts Neues für mich, nur anders!

 

Es gab bereits mehrfach in meinem beruflichen Leben Phasen, in denen ich fast ausschließlich von Zuhause gearbeitet habe. Über mangelnde Motivation konnte ich dabei nie klagen, ganz im Gegenteil fand ich oftmals kein Ende, vergaß die Zeit und büßte es mit Nackenschmerzen. Das geht mir derzeit nicht viel anders, zumal mich niemand auf den Feierabend hinweist – mein Mann ist als systemrelevanter Lebensmitteleinzelhändler noch länger außer Haus als bisher und mein Kind ist im Ausland. Nur das tolle Wetter der letzten Tage und Wochen und das feste Vornehmen, ausreichend Pausen zu machen, helfen mir, die Arbeit auch mal ruhen zu lassen.

 

Neu für mich ist insbesondere, dass nicht nur das Arbeiten von Zuhause stattfindet, sondern die privaten Aktivitäten sich den Ausgangsbeschränkungen unterordnen müssen. Grillen mit Freunden? Nein! Die Mutter zum Kaffee besuchen? Nein! Kino mit der besten Freundin? Nein! Die Liste ließe sich endlos verlängern …

 

Von Absprachen und „langen Leitungen“

 

Zurück zum Business: Durch die physische Trennung von den Kolleg*innen ist es eine besondere Herausforderung, dass das Projektteam über den Fortschritt informiert bleibt und sich abstimmt. Auf Arbeitsebene hatten wir dies – vor Corona - in kleinen Standup-Meetings in Obernburg realisiert, die komplette Projekttruppe traf sich 14-tägig zum Jour Fix. Nun sind an diese Stelle virtuelle Meetings getreten. Das klappt erstaunlich gut, sowohl was die Vollständigkeit der Teilnahme und die Pünktlichkeit des Erscheinens im virtuellen Konferenzraum betrifft (ich bin positiv überrascht), als auch was die Disziplin der Abarbeitung von Tagesordnungspunkten angeht. Da die Internet-Leitungen allerdings nicht immer so super stabil sind, kommt es durchaus zu kleinen Verzögerungen in der Übertragung. Dann stimmen Bild und Ton nicht ganz überein, Videos kommen manchmal verpixelt rüber. Kolleg*innen reden durcheinander, nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil die Übertragung nicht synchron läuft. Wir lösen das dann mit Handheben, um anzudeuten, wer zum Thema noch was sagen will. Manchmal versteht man die Kolleg*innen auch nicht, und das nicht, weil man jemand auf der „langen Leitung“ steht – das Tonsignal ist manchmal einfach schlecht! Da ist es nicht immer leicht einzuschätzen, ob dies an der heimischen Leitung liegt oder ob der Anbieter gerade heftigen Traffic verzeichnet.

 

Neues Teamgefühl

 

Neben den genannten technischen Einschränkungen sehe ich aber auch viele tolle Aspekte der Videokonferenzen: Alle sitzen gleichberechtigt vor ihren Computern und es gibt – zumindest optisch - keinen hierarchischen Vorsitz. Man hat alle Kolleg*innen permanent im Blickfeld und sitzt einander zugewandt am Bildschirm. Ein Bild, das jeder Kommunikationstrainer zur besseren Verständigung beschwört. Ein „von der Seite anquatschen“ oder „zwischenreinreden“ gibt es also nicht. Und da auch immer nur einer reden kann, sind auch die störenden, bilateralen Sekundärgespräche im Flüsterton unterbunden. Die Aufmerksamkeit bleibt also immer bei einem Thema. Ich empfinde damit die Meetings entspannter als beim physischen Zusammensein, auch was Tonalität und Wortwahl angeht. Über diesen – zugebenermaßen subjektiven – Eindruck habe ich auch mit Verwandten und Freunden gesprochen. Sie bemerken das in ihrem jeweiligen beruflichen Kontext ebenso. Und was auch interessant ist: Ich habe die Kolleg*innen von einer ganz neuen Seite kennengelernt, sowohl was ihre Einstellungen als auch was ihre Lebensumstände betrifft. So wird ein Blick ins Wohn- oder Arbeitszimmer gewährt, Privatleben und Berufsleben verschmelzen immer mehr!

 

Ein Beitrag von Katja Leimeister

 

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