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Wie kann ein virtuelles Publikum zur Community werden?

Ein Beitrag von Katja Leimeister 

 

Am 23. September fand im Rahmen des Symposiums Wissenstransfer und Weiterbildung ein Workshop zum Thema "Wie kann ein virtuelles Publikum zur Community werden?" statt. Moderation des Workshops übernahmen Prof. Dr. Wolfgang Alm und Katja Leimeister. 

 

Aufbauend auf den Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Alm (TH Aschaffenburg) und Frau Simone Jakoby (Prosma GmbH) zum Thema „Community-Management in einer VUCA-Welt“ haben wir in der Gruppe diskutiert, wie ein virtuelles Publikum zur Community werden kann.

 

Was ist eigentlich eine Community? Wie sieht die ideale Community aus?

Bei lebendigen, erfolgreichen Communitys stehen gemeinsame, konkrete Ziele im Fokus. Die Community-Themen sind so ausgerichtet, dass ein Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe möglich ist. Die Themen haben für die Gruppe eine hohe Relevanz. Probleme werden offen angesprochen, Lösungen skizziert, Fortschritte diskutiert. Alle Mitglieder sind bestrebt, sich gegenseitig zu unterstützen. Voraussetzung ist gegenseitiges Vertrauen. Geeignete gemeinsame Regeln (VEGAS, etc.) schaffen hierfür einen Rahmen. Der Organisator moderiert die klar benannten Themen und schafft technische und organisatorische Möglichkeiten für die Mitglieder, sich – auch in Kleingruppen oder bilateral – zu vernetzen und auszutauschen. Eine Community ist auf Dauer angelegt (ein einmaliges Treffen begründet keine Community) und somit ist der kontinuierliche Benefit für den Einzelnen die Motivation, dabei zu bleiben. Das Aufwand-/Nutzen-Verhältnis bleibt konstant hoch.

 

Braucht man noch analoge Treffen in Communitys?

Mit ZOOM und Co. ist es möglich, analoge Veranstaltungsformate nahezu 1:1 nachzubilden. Plenum genauso wie Arbeitsgruppen lassen sich darstellen, mit einigen Tools sind sogar Zufalls-Gespräche möglich. Für den Aufbau einer Community – so die Meinung der Workshopteilnehmer – stellt jedoch das analoge Treffen die bessere Wahl dar. Der gleiche Grad an Verbindlichkeit, der unter anderem durch Gespräche am Rande, Zufallsbekanntschaften, Händeschütteln, Herzlichkeit beim Aufeinandertreffen etc. entsteht, kann nicht erreicht, Vertrauen nur bedingt aufgebaut werden. Auch die Wertigkeit von analogen Treffen sei höher (Catering, Location) und bleibt damit den Teilnehmern mehr im Gedächtnis. Daraus entstehe ein stärkeres Commitment und die Teilnehmer sind nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit Herz und Seele dabei.

Gleichwohl könne man aber durch eine gute Mischung von analogen und virtuellen Treffen die Vorteile beider Formate nutzen.

Der Aufbau einer Community rein virtuell wird eher skeptisch gesehen. Da das Commitment in virtuellen Communitys fehlt, sind Mitgliedschaften meist nicht von Dauer und die Absprungquote hoch.

 

Ist hybrid eine Lösung?

Jein. Für hybride Community-Treffen besteht die Gefahr der Zwei-Klassen-Mitglieder, da Redewünsche von den Zugeschalteten nur bedingt durchgesetzt werden können; das Interagieren mit anderen Teilnehmern, insbesondere mit denen, die Vorort sind, ist erschwert bzw. teilweise nicht möglich. Um alle Mitglieder gleichermaßen zu berücksichtigen, ist hoher technischer und organisatorischer Aufwand zu betreiben, die Anforderungen an den Moderator/Organisator sind enorm. Ist ein informelles Get-together geplant, sind die Zugeschalteten vom Geschehen weitgehend abgeschnitten. Dass dieser soziale Aspekt von Veranstaltungen wichtig ist, zeigen Bewertungen von hybriden Veranstaltungen durch die Teilnehmer: Die Vorort-Teilnehmer beurteilen die Veranstaltung besser als die Zugeschalteten. Während sich Vortragsveranstaltungen oder auch der Vortragsteil einer Community-Veranstaltung durchaus für eine hybride Durchführung eignen, sind sie für Community-Treffen nur eingeschränkt zu empfehlen.

 

Fazit: Kann ein virtuelles Publikum also zu einer echten Community werden?

Communitys leben vom gegenseitigen Vertrauen und der Verbindlichkeit. Hierfür braucht es echte Begegnungen. Wenn regelmäßige analoge Treffen (für alle Mitglieder) nicht möglich sind, ist zumindest ein Wechsel zwischen virtuellen, hybriden und analogen Treffen eine Alternative, um die Motivation bei allen Mitgliedern gleichbleibend hoch zu halten und soziale Erlebnisse zur Bindung an die Community zu schaffen. 

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