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Wenn New Work Mindset zur Routine werden soll

Erste Lernnuggets beim Conceptathon entwickelt

Ein Blogbeitrag von Katja Leimeister

 

Die Arbeitswelt ist im Wandel. Skills und Tools, um mit den geänderten Anforderungen Schritt zu halten, können mehr oder weniger rasch geschult bzw. gelernt werden. Doch das Mindset, die Haltung, die Einstellung von Mitarbeitenden zu verändern und zur Routine werden zu lassen, stellt sich für Unternehmen und Organisationen als Herausforderung dar. Was braucht es dazu? Einige Kunden fragen uns danach, denn viele Transformationsprozesse scheitern, weil das Rollenverständnis, die agilen Werte, die Spielregeln und Haltungen in der Zusammenarbeit nicht mitwachsen bzw. nicht so schnell gelernt werden können, und wir außerdem gar nicht genau wissen: Was ist nötig, um das Mindset zu verändern? 

 

Beim Conceptathon vom 8.-10. September (was ein Conceptathon ist und wie es bei uns ausgestaltet war, dazu empfehlen wir die Ausschreibung zu lesen! -> Link) wurden diese Fragen in die Tiefe erörtert und Lernbausteine, sog. “Learning Nuggets” entwickelt, um die Menschen auf die Lern- und Transformationsreise in den Unternehmen und Organisationen mitzunehmen und für die neue Arbeitswelt fit zu machen.

 

Die Leitfrage des Conceptathons war also: Wie können wir ein New Work Mindset für Fach- und Führungskräfte entwickeln? Ein wichtiges Ergebnis dieser Eingangsdiskussion war, dass die Teilnehmenden in der Leitfrage die Begriffe Fach- und Führungskraft durch „Menschen in Unternehmen“ ersetzten, und die Belegschaft als Ganzes in den Mittelpunkt gestellt werden soll. Zugleich wurde ein ausschließliches Fokussieren auf die Interessen der Mitarbeitenden kritisch hinterfragt: Stehen nicht die Interessen der Kunden im Fokus (bei agiler Arbeitsweise)? Hier gilt es einen sinnvollen Spagat – auch zu anderen Anspruchsgruppen – zu finden. Auf jeden Fall wird in einer New Work Arbeitsumgebung Offenheit und die Beantwortung der Sinnfrage (warum kommen wir jeden Morgen zur Arbeit?) zu einem zentralen Element. Zur Frage nach dem „Wie“ gilt es, zielgruppenspezifische Angebote auszuarbeiten, die methodisch und inhaltlich den Wissenstransfer unterstützen.

 

Wer lernt wie?

Wenn man Menschen in Unternehmen/Organisationen „etwas beibringen“ möchte, ist es nützlich zu verstehen: Sie sind ganz unterschiedlich „gestrickt“. Egal ob Fach- oder Führungskraft, angelernt und professionell ausgebildet, „oben“ oder „unten“ in der Hierarchie - die Menschen sind schon allein vom Lerntyp her sehr verschieden, aber auch Persönlichkeitsmerkmale, die Erziehung und Erfahrungen spielen eine Rolle, wie sie sich im beruflichen Kontext verhalten. Um die Teilnehmenden am Conceptathon dafür zu sensibilisieren, wurden in einer ersten Übung in Gruppen beispielhafte „Learning-Personas“ entwickelt. Sie waren der Bezugspunkt, um die Brauchbarkeit der Lernarrangements immer wieder an der Realität zu messen.

 

Was soll/muss gelernt werden?

In einer Brainstormingrunde wurden in einer Art Backlog Schulungsthemen identifiziert. Dabei wurden klassische Kommunikationsthemen ausgedeutet wie Feedback-geben, Konfliktmanagement, aber auch Bereiche wie Selbstreflexion, Selbstmanagement und Selbstführung, u.v.m. 

Das Learning Nugget Backlog nach dem Brainstorming
Das Learning Nugget Backlog nach dem Brainstorming

Aus diesem Katalog an potenziellen Learning-Nuggets (der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und jederzeit ergänzt werden kann) zogen die Teilnehmenden Themen heraus, an denen sie gerne arbeiten wollten. Kleine Grüppchen bildeten sich und legten los, gecoacht von den Moderatoren Barbara Wietasch und Joachim Schmitt, die auch das Timeboxing im Blick hatten.

Wie wird ein Learning Nugget designt?

 

Hilfreich ist hierbei ein Canvas, das den Trainingsbedarf der zu Schulenden erfasst. Hier wird zunächst geschaut, wie die Ausgangssituation ist und welche negativen Auswirkungen damit verbunden sind. Unter anderem werden die Lernziele und die Inhalte definiert und die organisatorischen Rahmenbedingungen festgelegt.  

Hier das Canvas am Beispiel Trainingsdesign – basierend auf Anna Langheiter (siehe Literatur-Tipp)
Hier das Canvas am Beispiel Trainingsdesign – basierend auf Anna Langheiter (siehe Literatur-Tipp)

Ist das Canvas ausgefüllt, ist eine Art Drehbuch vonnöten. Die Inhalte werden konkretisiert und die jeweiligen Transfer-Methoden festgelegt. Handelt es sich um einen Impulsvortrag, um eine Gruppenarbeit der Teilnehmenden, einen Input, einen Energizer oder eine Übungsrunde? Wie geht es vonstatten? Was wird benötigt (z.B. Flipchart)?

 

In den Sessions wurden eine Reihe von Learning Nuggets erarbeitet. An vielen Stellen fehlt noch die finale Ausarbeitung der Inhalte. Diese Fleißarbeit konnte im 3-tägigen Conceptathon nicht wirklich geleistet werden. Doch in den Köpfen der TrainingsdesignerInnen sind schon genaue Vorstellungen, was da so hineingehört. Dafür treffen sich die Gruppen selbstorganisiert in den nächsten Wochen virtuell, um den Fortschritt zu besprechen. Auf halbem Weg zum nächsten Conceptathon wurde ein gemeinsamer Sprechstunden-Termin vereinbart.

 

Nächster Schritt: testen!

Wir gehen es wie beim Lean-Startup-Modell an: das Minimal Viable Product (kurz: MVP, ein erstes auslieferbares, testfähiges Learning Nugget) liegt nun vor. Jetzt gilt, es uns Feedback aus dem Markt zu holen. So werden aktuell Pilotkunden für das Testen unserer Learning Nugget Prototypen angesprochen und deren Rückmeldungen bis zum nächsten Conceptathon im November eingesammelt. Daraus können Anpassungen abgeleitet werden, das MVP kommt auf eine höhere Stufe. 

Besondere Herausforderungen

Beim Conceptathon kamen Menschen aus unterschiedlichen beruflichen Kontexten zusammen, die sich größtenteils nicht kannten. Da stellen sich schnell eine Menge von Fragen: Was kann die Person zum Thema X oder Y beitragen? Wie können wir die Gruppendynamik unterstützen und dafür sorgen, dass jede/r sich wohlfühlt und wertgeschätzt fühlt. Und ganz trivial: Wie heißt die Person? 

 

Das Team hat daher kurze Kennerlernspiele und Warm-Ups durchgeführt und mit einem Social Event dazu angeregt, die Vernetzung untereinander zu fördern. Highlight war eine gemeinsame Wanderung mit einer Alpaka-Herde. Auch die Alpakas zeigten dabei nur zu deutlich, dass sie Individuen mit ganz unterschiedlichem Erfahrungsschatz und Persönlichkeiten sind und einer auf sie zugeschnittenen Führung bedürfen. 

Bei der Alpaka-Wanderung lernten wir einander nochmal von einer anderen Seite kennen
Bei der Alpaka-Wanderung lernten wir einander nochmal von einer anderen Seite kennen

Fazit

Drei Tage intensives Zusammenarbeiten an Learning Nuggets hat uns zum einen zu einer Community werden lassen, und vor allem auch viel Klarheit gebracht, an welchen Themen wir in den nächsten Wochen arbeiten werden. Die Vorleistung von Barbara Wietasch hinsichtlich Struktur eines Learning Nuggets hilft allen, die Themen zielgerichtet, zeitgemäß und in angemessenem Zeitrahmen voranzubringen. 


Literaturtipp

Trainingsdesign: Wie Sie gut durchdachte, lebendige und passgenaue Weiterbildungskonzepte entwickeln - Klimaneutrale Ausgabe (Edition Training aktuell) Taschenbuch – 12. April 2022, von Anna Langheiter (Autor)

 

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